L E S U N G

Daniel Wisser liest aus seinem Roman Wir bleiben noch


Zeit: Dienstag, 05. Oktober 2021, 19.00 Uhr

Ort:  Verein für österreichisch türkische Freundschaft
         Stadtbahnbogen 56-57, Hernalser Gürtel, 1080 Wien

Foto: © Nurith Wagner-Strauss


Eintritt frei!

Bitte beachten Sie die derzeit geltenden Corona-Bestimmungen!


Daniel Wisser, 1971 in Klagenfurt geboren, schreibt Prosa, Gedichte, Songtexte. 1994 Mitbegründer des Ersten Wiener Heimorgelorchesters, zuletzt erschien das Album „Die Letten werden die Esten sein“. 2018 für den Roman „Königin der Berge“ mit dem Österreichischen Buchpreis und dem Johann-Beer-Preis ausgezeichnet. „Wir bleiben noch“ ist Daniel Wissers fünfter Roman. Er lebt in Wien.
Mit hinreißend lakonischem Witz erzählt Daniel Wisser von vier Generationen einer Familie, durch die sich die Gräben eines ganzen Landes ziehen. Er zeichnet das Bild einer Gesellschaft, der langsam dämmert, dass sich der Traum vom ungebremsten Fortschritt gegen sie wendet.
Die Welt um Victor Jarno hat sich verändert - und wie immer hat er es zu spät bemerkt. Victor ist Mitte vierzig, kinderlos und der letzte Sozialdemokrat in einer Wiener Familie mit sozialistischen Wurzeln bis in die Kaiserzeit. Nur scheint sich niemand daran zu erinnern, selbst seine Mutter und seine Tante hat der politische Rechtsruck erfasst. Mit der Rückkehr von Victors Cousine Karoline aus dem Ausland, flammt eine dreißig Jahre alte heimliche Liebe wieder auf: Beide verachten e-Scooter, Stand-up-Paddling und die regierenden Rechtsparteien. Doch als aus ihnen ein Paar wird, droht die Familie an dem Skandal zu zerbrechen.


Die Lesung der Bücherei Dostluk findet im Rahmen der Aktion „Wandelwelten“ des Büchereiverbandes Österreichs statt und wird gefördert aus Mitteln der Büchereiförderung des Bundes.



Lesung vom 20.10.2020 mit Selin Vişne

Am Donnerstag, dem 20. Oktober 2020 fand in unserer Bücherei Dostluk eine Lesung im Rahmen der Aktion "Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek" mit der Autorin Selin Vişne statt. Die 2001 in Wien geborene türkischstämmige Autorin Selin Vişne studiert Rechtwissenschaften an der Universität Wien. Schon mit 13 Jahren verfasste sie ihren ersten Roman, auf den viele weitere Geschichten folgten. 2020 wurde ihr Roman „Die Überlieferung der Welt“, mit dem sie 2018 den Schreibwettbewerb des dtv-Verlags gewann, veröffentlicht.

 

„Seit dem Tod ihres Vaters hält Laelia sich und ihren kleinen Bruder mehr schlecht als recht über Wasser, indem sie ihre geschickten Finger immer häufiger in fremde Taschen gleiten lässt. Bis Nero, der Herr der kriminellen Unterwelt, auf sie aufmerksam wird und der frechen Taschendiebin Einhalt gebieten lässt. Hadrian ist als Neros designierte Hand scheinbar am Ziel seiner Träume, doch will er dem Herrn der Unterwelt auch den letzten Teil seiner Seele überschreiben? Als Hadrian sich gegen seinen Ziehvater wendet, müssen er und Laelia aus ihrer Heimat fliehen. Sie schließen sich einem Seher an, dessen Vision sechs widerwillige Gefährten auf eine gefährliche Reise schickt. Doch jeder von ihnen hat etwas zu verbergen und mächtige Feinde wollen um jeden Preis verhindern, dass sich die Prophezeiung erfüllt.“  (https://www.dtv.de/buch/selin-visne-die-ueberlieferung-der-welt-71852/)


Aus der Lesung;

"Die Frühlingssonne am Himmel würde bald schon untergehen, doch es waren die nebelartigen Schatten, welche die Dunkelheit über den gepflegten Boden des Schlossgartens hereinbrechen ließen, nicht der drohende Abend. Getrimmte Hecken, Büsche und Blumen wurden von ihnen schwarz ummantelt, Farben gerieten in Vergessenheit.

Prinzessin Merla saß mitten in diesem finsteren Meer auf einer Bank und versuchte, die wachsamen Blicke der Wachen auszublenden. Auch wenn die Leibgarde, schon seit sie denken konnte, stets an ihrer Seite war, sobald sie den Palast verließ, hätte sie gerne darauf verzichtet. Doch wenn die Königin erführe, dass sie sich einen Tag mehr in ihrem Zimmer verkrochen hatte, anstatt sich bei Hof zu zeigen, würde es weit unangenehmer werden. Und ein ruhiger Nachmittag im Garten schien ihr erträglicher, als im Damensalon gehobenen Augenbrauen und nach Skandalen Ausschau haltenden Blicken ausgesetzt zu sein.

Sie beobachtete das tiefe Schwarz, das aus den Schattenwirbel-Narben auf ihrem Rücken floss. Es schlich ihre Arme entlang und gab ihr die Deckung, nach der sie suchte. Dankbar lächelte sie leise.

Oft wunderte es sie, wie die Schatten ein Teil von ihr sein konnten. Sie besaßen eine so anmutige Anpassungsfähigkeit, von der sie selbst nur träumen konnte, fügten sich mühelos ihrer Umgebung, den Naturelementen und den Befehlen ihrer Schöpfer." (S. 26)


"Zehn Minuten vergingen, aber von Megan war immer noch keine Spur zu sehen. Merla wollte schon selbst nach der silbernen Bürste greifen, von der sie nicht wusste, wann sie diese das letzte Mal eigenhändig benutzt hatte, als die Flügeltür zu ihrem Zimmer unangekündigt aufgestoßen wurde.

»Was ist denn mit dir passiert?«, entwich es Merla.

Megan war vollkommen außer Atem. Die kleinen Schweißperlen auf ihrer Stirn schimmerten und ihre Wangen glühten, als sie die Tür hinter sich schloss. Hastig trat sie hinter Merla und band sich gerade ihr braunes Haar in einen unordentlichen Pferdeschwanz, als sie keuchend hervorbrachte: »’tschuldige, dass ich zu spät bin.

Hab die Zeit vergessen.«

»Ich … kein Problem, aber wieso bist du zu spät?«

Ihre Zofe schnappte sich die Bürste, die mit vielen feinen Borsten versehen war, und arbeitete sich geübt, wenn auch etwas gröber als sonst, durch Merlas Haar.

»Wurde aufgehalten«, nuschelte sie kaum verständlich, nachdem sie sich eine Haarklammer zwischen die Zähne geklemmt hatte.

Merla entging nicht, wie sie ihrem suchenden Blick im Spiegel bewusst auswich.

Sie wusste, dass Megan mit einer ihrer Freundinnen – Harper war ihr Name, wenn Merla sich richtig zu erinnern glaubte –, die hochschwanger war, alle Hände voll zu tun hatte. Aber derart rastlos hatte sie Megan deswegen noch nie gesehen. »Ist Harper auch wohlauf?«

Die Zofe hielt kurz inne. »Ja, ihr geht es gut.«

»Oh. In Ordnung.« Sie hatte nicht die Absicht, Megan dazu zu drängen, ihr zu antworten, trotz des zunehmenden Unbehagens, das sich bei Megans Anblick in Merlas Magen breitmachte und sie die Lippen zusammenpressen ließ." (28-29)


Die Lesung ist unter
abrufbar.



Lesung vom 17.10.2018 mit Theodora Bauer

Lesung 17.10.2018

Die österreichische Autorin Theodora Bauer las am 17.10.2018 in unserer Bücherei Dostluk im Rahmen der Aktion "Geschichte in Geschichten" des Büchereiverbands Österreich aus ihrem Roman "Chikago". Die Lesung erfolgte in der alljährlich im Oktober stattfindenden Aktionswoche „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“.

Theodora Bauer wurde 1990 in Wien geboren. Sie maturierte 2008 in Eisenstadt mit Auszeichnung. In Wien studierte sie Publizistik und Kommunikationswissenschaft und Philosophie.  2014 veröffentlichte sie ihren Debutroman „Das Fell der Tante Meri“. Für ihr Theaterstück „papier.waren.pospischil“ gewann sie 2017 den 1. Preis beim Festival „Die Freiheit des Lachens“,  ausgeschrieben vom Salzburger Landestheater. „Chikago“, ihr zweiter Roman, erschien 2017. Seit September moderiert Theodora Bauer die Literatursendung literaTOUR von ServusTV.                                                                

Über den Inhalt des Romans "Chikago" schreibt der Picus-Verlag: "Feri und Katica leben Anfang der zwanziger Jahre in einem Gebiet des Aufruhrs und des Umbruchs und vor allem der Armut: an der noch jungen ungarisch-österreichischen Grenze. Die große Hoffnung heißt »Amerika«, vor allem für Feri, der die schwangere Katica mitnehmen will. Ein Unglück und das beherzte Eingreifen von Katicas Schwester Anica lassen die Auswanderpläne zur Flucht werden, nun sind sie zu dritt. Doch das Leben in Amerika ist nicht so gut zu den drei Auswanderern wie erhofft: Die Geburt ihres Kindes verläuft für Katica tragisch, Feri wird zum Säufer und Tagedieb, und bald muss Anica die Verantwortung für den kleinen Josip übernehmen …“

„Theodora Bauer verleiht ihren Protagonisten Seele, ihrer Geschichte Realismus, ihrem Schicksal Tragik und Schönheit: Ein großer Roman über die Sehnsucht nach einem besseren Leben."


Lesung vom 17.10.2017 mit Selim Özdogan

Am Dienstag, dem 17. Oktober 2017 fand in unserer Bücherei Dostluk eine Lesung im Rahmen der Aktion "Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek" mit dem deutsch-türkischen Schriftsteller Selim Özdogan statt.

Selim Özdogan wurde 1971 in Köln geboren und wuchs zweisprachig auf. Nach dem Abitur studierte er Völkerkunde, Anglistik und Philosophie. Vor dem Abschluss seines Studiums machte er sich als Schriftsteller selbständig. Nach seinem Debütroman „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“, erschienen zahlreiche Romane und Kurzgeschichten.

Selim Özdogan erhielt 1996 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler und 1999 den Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis. Sein Buch „Zwischen zwei Träumen“ wurde für den Deutschen Science Fiction Preis 2010 als bester Roman nominiert. 2014 erhielt er das Galata Stipendium der Stadt Köln in Istanbul und 2015 ein Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen. 2016 wurde er zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb nach Klagenfurt eingeladen und im Herbst verbrachte er drei Monate als Writer in Residence an der Universität von Michigan.

Selim Özdogan sprach über seine Tätigkeit als Schriftsteller. Er habe sich anfänglich überhaupt nicht als Autor von Migrantenliteratur gesehen, ehe er nach etlichen Romanen, Erzählungen, Essays und Kurzgeschichten „Die Tochter des Schmieds“ verfasste. Dieses Werk sollte ursprünglich ein eigenständiger Roman sein, später reizte ihn aber die Fortführung des erschaffenen Charakters und so entstand sechs Jahre danach „Heimstraße 52“. Dieser Roman thematisierte das Leben Güls als „Gastarbeiterin“ in Deutschland und ihre Rückkehr in die Türkei. Wieder sechs Jahre später folgte schließlich mit „Wo noch Licht brennt“ der Abschluss der Trilogie. Der Autor gab einen Überblick über den Inhalt dieser drei Romane und trug aus jedem einige Passagen vor.

Im Klappentext von „Wo noch Licht brennt“ ist über die Romantrilogie zu lesen: "Es ist das Leben einer beeindruckenden Frau, das Selim Özdogan mit viel Gefühl und Poesie, aber ohne Sentimentalität schildert. Ein Leben, das geprägt ist von Melancholie und Trennung ebenso wie von Warmherzigkeit und Anteilnahme. Er gibt damit jenen Frauen eine Stimme, die wir als kopftuchtragende Mütter und Großmütter aus dem Bus oder dem Supermarkt kennen, deren Alltagswelt den meisten jedoch unbekannt bleibt."

Danach präsentierte er seinen 2016 erschienen Roman „Wieso Heimat, ich wohne zur Miete“, in dem sich der Protagonist Krishna Mustafa, Sohn einer Deutschen und eines Türken, geboren in der Türkei und seit seinem sechsten Lebensjahr in Deutschland, auf die Suche nach seiner Identität nach Istanbul begibt.

Kulturelle Identität war auch das zentrale Thema im anschließenden Gespräch mit dem Publikum.


Lesung vom 06.10.2016 mit Osman Engin

Am Donnerstag, dem 06. Oktober 2016 fand in unserer Bücherei Dostluk eine Lesung im Rahmen der Aktion "Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek" mit dem deutsch-türkischen Satiriker Osman Engin statt.

Osman Engin wurde 1960 in der Türkei geboren und lebt seit 1973 in Deutschland. Nach seinem Studium der Sozialpädagogik in Bremen wurde er freier Schriftsteller. Er schreibt Satiren für Zeitungen, Zeitschriften und den Rundfunk. Viele seiner Satiren wurden in überregionalen Printmedien wie der Frankfurter Rundschau, Taz und Titanic  sowie in deutschen, französischen, dänischen, holländischen, schwedischen und kanadischen Schulbüchern veröffentlicht. 2006 erhielt er den ARD-Medienpreis. Neben seinen zahlreichen Bänden mit Kurzgeschichten verfasste er satirische Romane.

 

Osman Engin las aus seinen Romanen „Deutschland allein zu Haus“ und „Lieber Onkel Ömer“. Daneben trug er einige der Satiren, die er für den deutschen Rundfunk und für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften verfasst hatte, vor. Im Zentrum seiner Werke  stehen Osman, seine Frau Eminanim, „die zweitgrößte Nervensäge des Mittleren Orients“, sein linksradikaler Sohn Mehmet, seine feministische Tochter Nermin und seine kleine Tochter Hatice. In seinem letzten Roman "Deutschland allein zu Haus", muss sein Protagonist Osman bei der Rückkehr vom alljährlichen Familienurlaub feststellen, dass die Neonazis zweitstärkste Partei geworden sind.

Der Autor erzählte von seinem Leben und von seiner schriftstellerischen Arbeit und schilderte vor jeder Geschichte, wie diese entstanden ist. Die meisten seiner Satiren beruhen auf wahren Ereignissen. Er verwendet als Grundlage neben seinen eigenen Erlebnissen auch diejenigen, die ihm von Freunden und Bekannten zugetragen werden und schmückt sie aus und überspitzt sie auf satirische Weise. So entstehen Geschichten, die sehr humorvoll und unterhaltsam sind, auf der anderen Seite jedoch dazu anregen, sich über Vorurteile bewusst zu werden. Ernste Themen wie Integration, Rassismus und Vorurteile werden den Lesern auf satirische Weise nähergebracht. Da Herr Engin in der Türkei geboren und mit 13 Jahren nach Deutschland gekommen ist, ist er in beiden Kulturen daheim und kann aus dieser Position die Eigenheiten beider Gesellschaften aufs Korn nehmen. Obwohl er in seinen Satiren auf deutsch-türkische Beziehungen eingeht, waren seine Geschichten aufgrund der sehr ähnlichen Verhältnisse in Österreich auch für das an diesem Abend anwesende Publikum gut nachvollziehbar.




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Kitap öneri 01-2004 Manisalı Erol.pdf 303.0KB
Kitap öneri 03-2012 Çetingüleç Mehmet.pdf 306.5KB
Kitap öneri 12-2019 Kocabaşoğlu Uygur.pdf 214.8KB
Kitap öneri 05-2021 Ortaylı İlber.pdf 332.9KB